Einladung zum Stammtisch der Freinetgruppe Wien im November (online!) :  Lehren und Lernen in der Wüste - Erfahrungen aus der Arbeit des Saharaui UnterstützungvereinsAktuelles

 

Liebe KollegInnen,
den Coronazeiten geschuldet findet der Stammtisch der Freinetgruppe Wien diesmal online via Zoom statt. Wir laden daher österreichweit alle Interessierten herzlich ein teilzunehmen.

WANN: Do 12.11.2020 19:00 Uhr
WO:https://zoom.us/j/6572308565

Anmeldung ist nicht erforderlich. Für die Teilnahme reicht ein aktueller Browser mit Internetverbindung. Teilnahme ist auch via Smartphone oder Tablet mit allen Betriebssystemen möglich.

Themen:
# Gastreferat von und Diskussion mit Eva Unterweger: Lehren und Lernen in der Wüste - Erfahrungen aus der Arbeit des Saharaui Unterstützungvereins.

Das nächste RIDEF (2022) soll in Marokko stattfinden. Die Westsahara ist immer noch von Marokko besetzt. Durch eine Mauer sperrte Marokko die Geflüchteten in die Wüste Algeriens aus. Ein weiteres trauriges Kapitel der Geschichte von Krieg und Flucht. Seit 42 Jahren leben ca. 170.000 Saharauis, Bewohnerinnen und Bewohner der ehemaligen spanischen Kolonie Westsahara, in den Flüchtlingslagern nahe der algerischen Stadt Tindouf, in einem der unwirtlichsten Teile der Sahara. Der Saharaui Unterstützungverein unterstützt seit Jahren die Lehrerinnen- und Lehrerbildung in den Lagern sowie den Aufbau von schulischen Einrichtungen.
Nähere Infos zur Vorbereitung: https://aufdraht.org/index.php/2017/05/01/fokus-bildung-bildung-in-der-wueste/

 

# Freinetischer Austausch in Zeiten von Corona
im Anschluss an das Gastreferat ist noch Zeit für Plauderei und gemeinsames Pläneschmieden.

 

 

Wir freuen uns, wenn ihr dabei seid.
Freinetgruppe Wien

 


KOMMUNIQUÉ des neuen Vorstands der FIMEM

Der Französischlehrer Samuel Paty wurde bei der Ausübung seiner Tätigkeit als Erzieher auf barbarische Weise ermordet. Er hatte versucht, seine Studenten zum Nachdenken über die Bedeutung des Säkularismus anzuregen, darüber, was getan werden kann und was nicht in einer modernen säkularen Gesellschaft. Die französische Justiz wird die Gründe und Verantwortung für eine solch grauenhafte Tat aufzeigen.
An seine Familie, an seine Schüler, an die gesamte Schulgemeinschaft des Collège Conflans Sainte bringt der Vorstand der FIMEM, sein Mitgefühl und seine Solidarität zum Ausdruck.
Der Fimem-Vorstand drückt auch seine Solidarität mit den Genossen der ICEM („Institut Cooperatif de l ‚ Ecole Moderne“, französische Freinet-Bewegung) aus und dankt ihnen dafür, dass sie sofort eine weit verbreitete Pressemitteilung herausgegeben haben.

 

Die Pädagog/innen der Fimem-Mitgliedsbewegungen verpflichten sich dem Anspruch, dass alle Einrichtungen, die innerhalb der öffentlichen Schule entstehen inklusiv sein sollen, jedes Kind solle einen zentralen Platz einnehmen, unabhängig von der geographischen Hemisphäre, der nationalen oder ethnischen Herkunft, dem Geschlecht, dem Alter oder der ethnischen Zugehörigkeit, Ethnizität, Geschlecht, Hautfarbe, Sprache, Religion usw. Die Vielfalt ist ein wahrer Reichtum, der akzeptiert und geschätzt werden muss und der zum Wachstum beiträgt.
Eine „Pädagogik des Volkes“, initiiert von Celestn Freinet, ermöglicht es uns, zu einer Bildung von Individuen beizutragen, die sich zunehmend vom Totalitarismus des Denkens befreien und fanatische Gewalt ablehnen.
Es ist die Arbeit einer kooperativen Pädagogik, die sichTransformation zum Ziel macht, :

 

  • von Ignoranz und Obkurantismus zu Vorbereitung, Studium, Ausbildung;
  • von der Entgegennahme unbegründeter und nicht neutraler Nachrichten zur Suche nach verifizierten Nachrichten.
  • von Worten des Hasses und Trugbildern von allem hin zu Respekt gegenüber anderen, etc.
    Die beste Antwort ist die Entwicklung einer emanzipatorischen Bildung, für die die FIMEM sich schon seit langem einsetzt und weiterhin einsetzen wird.

 

Nur Kultur und Bildung können die Welt retten!
Der Vorstand der FIMEM:

Antoinette Mengue Abesso, Cheikh Makhfousse Seck, Gláucia Ferreira, Lanfranco Gen

 

 

 

Danke, Wanda, für die Übersetzung!

 

Den ganzen Brief findest du hier:

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Fachtagung Freinet 2.1

Heute sind es noch 149 Tagen, 23 Stunden und 2 Minuten (wenn du das liest vermutlich schon weniger):

Die Freinet Fachtagung 2.1 in Stams/Tirol startet (diesmal hoffentlich wirklich!) 

Alle Infos und Anmeldung unter https://freinetforfuture.wordpress.com/

 

Ich freue mich auf ein Wiedersehen!
Lg Eva


Resolution "FIMEM GEGEN RASSISMUS, GEWALT UND DISKRIMINIERUNG"

Der Vorstand der FIMEM (Federation Internationale des Mouvement d´Ecole Moderne, Internat. Organisation der Freinet-Pädagog*innen) hat eine Stellungnahme gegen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung anlässlich des Todes von George Floyd verfasst. Hier ist es nachzulesen:

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RIDEF in Canada abgesagt

Wie zu erwarten war, musste das RIDEF 2020 leider abgesagt werden. Es war sicher keine leichte Entscheidung noch dem enormen Aufwand der mehrjährigen Planung.

Den Originaltext findet ihr auf der Homepage http://ridef.one/en/ der Kanadier*innen.


Lernen und Lehren in Zeiten der Ausgangseinschränkungen 2020

Der herkömmliche Schulbetrieb geht davon aus, dass Aufträge genügen: die Lehrperson schafft an was zu lesen, schreiben, lernen sei und die Kinder lesen, schreiben, lernen.

In der herkömmlichen Schule wird selbstorganisiertes Lernen nicht vermittelt. Lehrer*innen geben nach einem vorgegebenen Lehrplan den zu lernenden Stoff vor und die Termine an denen dieser Stoff abgeprüft wird. Die kurzfristigen Konsequenzen für die Schüler*innen bei Nichterfüllen dieses Prozesses – den Lehrstoffes vorgetragen zu bekommen, die zugeteilten Aufgaben zu erledigen und das Faktenwissen bei den Prüfungsterminen zu reproduzieren – sind im Laufe des Schuljahres bessere oder schlechtere Noten. Langfristig bedeuten ein Versagen oder Verweigern bei dieser Art des Unterrichts den Schullaufbahnabbruch, demotivierte Menschen, Angst vor geistiger Anstrengung im weiteren Leben.

Dann kommt so ein Virus daher, die Schulen werden geschlossen und das Bildungsministerium verordnet E-Learning.

Die eine oder andere (Allgemeinbildende Höhere) Schule, die eine oder andere (Oberstufen-)Lehrer*in, mögen darauf vorbereitet gewesen sein, die meisten wahrscheinlich nicht. Erfahrungen mit dem Lehrbetrieb an den Universitäten zeigen, dass sogar Studierende damit überfordert sind, mit den Texten in den diversen Moodle-Plattformen und mit den Webinaren auf Jitsi und BlueButton zurechtzukommen.

 

Und die Pflichtschüler*innen?

Im Text auf der Ministeriumsseite www.bmbwf.at findet sich am 24.3.2020 für die Primarstufe und Sekundarstufe I (Volksschulen, NMS, AHS-Unterstufe, Sonderschulen) und ähnlich auch für die Sek II:

„Seit 16.3.2020 stehen die Volksschulen, NMS, AHS-Unterstufen und Sonderschulen nur mehr für jene Schülerinnen und Schüler offen, deren Eltern außer Haus erwerbstätig sein müssen und deren Kinder zuhause nicht betreut sind. Die Schulen sind angehalten, für ihre Klassen einheitliche Übungshefte zu erstellen und diese den Schülerinnen und Schülern mitzugeben. Diese Übungshefte werden auch von jenen Schülerinnen und Schülern bearbeitet, die zu Betreuungszwecken in der Schule verbleiben. Die Bearbeitung dieser Übungsmaterialien fließt – vergleichbar mit einer Hausübung oder Mitarbeit – in die Leistungsbeurteilung ein. Ziel ist, in dieser Überbrückungszeit den bisherigen Lernstoff zu vertiefen, es wird kein neuer Lernstoff durchgenommen.“ (Abrufdatum 24.3.2020)

Obwohl für die Schüler und Schülerinnen der Pflichtschulen nicht dezidiert verlangt, wird der/die eine oder andere Lehrer*in, die eine oder andere Schule auch in dieser Altersstufe vielleicht online Aufgaben stellen bzw. digital Lernaufträge erteilen.

Können die Kinder und Jugendlichen im Pflichtschulalter diese ministerielle Anordnung (siehe oben) überhaupt befolgen? Hat jede Person eines Haushalts einen Computer? Hat das WLAN ausreichend Kapazität? Ist der Download mittels Handy bald ausgeschöpft?

Abgesehen davon, ob die technischen Voraussetzungen gegeben sind, sollen die Schüler*innen nun Lernstrategien anwenden, die ihnen fremd sind. Von den Schüler*innen wird von einem Tag auf den anderen verlangt sich selbst zu organisieren, sich die Lern-Arbeit selbst einzuteilen, sich die Zeit einzuteilen. Solche Lernstrategien müssten aber vorher schon gelehrt worden sein. Nur wer sie jetzt schon beherrscht, kann sie anwenden. Minister und Bildungsdirektionen, die sich jetzt auf die Verordnung für digitale Grundbildung auf allen Schulstufen berufen sind fast zynisch zu nennen. Denn es sind jetzt nicht die digitalen Grund- (oder auch die fortgeschrittenen) Digitalkenntnisse an denen es mangelt.

Es mangelt – und das seit Langem – an der Erziehung und Anleitung zu selbstorganisiertem und selbstreguliertem Lernen. Die Freinetpädagogik versucht es seit vielen Jahren und es sollte, wenn Lehrer*innen und Kinder wieder real zusammen kommen dürfen auch ernsthaft evaluiert werden, wie sich freinet’sche Prinzipien bei Kindern in Zeiten der Quarantäne manifestiert haben (oder eben nicht).

 

Was soll aber in der Krise wirklich gelehrt und gelernt werden?


Aus meiner Sicht sind das:

  •  Die Möglichkeiten, sich seriöse Information zu beschaffen.
  •  Die Erledigung der Hausarbeit.
  •  Die soziale Interaktion innerhalb der Familie.
  •  Die soziale Interaktion mit Menschen zu denen derzeit kein direkter Kontakt möglich ist..
  •  Analoge Beschäftigungen, die Spaß machen.

 

Analoge Dinge sollten neue Bedeutung gewinnen, wie z. B.

  • das Wetter und die Umgebung beobachten ...
  • Tiere vom Fenster /Balkon/Garten aus beobachten ...
  • zuschauen, zuhören, miteinander spielen, malen, basteln, Tagebuch schreiben, musizieren, singen ...
  • turnen und sich bewegen auch in der Wohnung ...

Und ja – Kinder und Familien müssen sich ganz schnell darauf einstellen mit dem auszukommen, was in der Wohnung vorhanden ist.
Natürlich ist das enge Zusammenleben der Familienmitglieder auf engstem Raum und rund um die Uhr nicht einfach. Die Familien brauchen Unterstützung in dieser Ausnahmesituation und nicht noch zusätzlichen Stress durch die Schule. Die Vorgaben des Ministeriums und der Bildungsdirektionen sind eine Sache, das was die Lehrer*innen aber daraus machen eine andere! Leider schießen viele über’s Ziel hinaus!

 

Nähere Details können jederzeit bei den eigenen Töchtern und Söhnen mitverfolgt werden.

 

Auch diesbezüglich ist zu hoffen, dass Kinder und Jugendliche in Freinetklassen bzw. reformpädagogischen Klassen mehr gelernt haben als Kinder in herkömmlichen Schulklassen. Das bisher erfolgte Eintrainieren von demokratischem Verhalten, der Klassenrat als Medium für Wünsche und Anträge, das Reden über Konflikte und Kränkungen sollten jetzt auch in den Familien Früchte tragen.

 

Was können Kinder und Jugendliche beitragen/vermeiden wenn alle schon Lagerkoller haben?

Welchen Stellenwert haben die sozialen Medien wirklich?

Tauschen wir uns ernsthaft und empathisch aus?

Teilen wir unseren Freund*innen etwas Interessanten und Persönliches mit oder leiten wir nur mehr oder weniger lustige Memes weiter?
Wie organisieren wir den Haushalt in einer Zeit in der Schüler*innen zu Hause arbeiten müssen und für die Eltern Homeoffice gilt?
Bieten wir anderen Hilfe an und wie können wir diese organisieren?


Alle freinet’schen Techniken, wie freies Schreiben, Lernen in selbstorganisierten Projekten, selbstreguliertes Aneignen von Wissen, sich selbst Ziele zu setzen und Kreativität in jeder Hinsicht gehen über das Faktenwissen, das üblicherweise in der Schule so wichtig genommen wird hinaus.


Jetzt ist die Zeit dazu sich zu überlegen, was interessiert mich wirklich? Was macht mir Spaß? Was habe ich zu Hause und was kann ich damit tun?

 

Sogar das Dekanat der Uni schreibt:

„Die Umstellung auf Lehre und Lernen am Home-PC bringt für uns alle zahlreiche neue didaktische und technische Herausforderungen, deren Vor- und Nachteile sich in den kommenden Tagen und Wochen zeigen werden. Vielleicht können wir diese Phase auch dazu nützen, um die derzeit besonders hervortretenden Qualitäten und Stärken der Face-to Face-Lehre in Hörsälen und Seminarräumen à la longue mit E-Learning-Didaktik und entsprechenden Tools zu erweitern und zu unterstützen.“ (Sondernewsletter 03/2020)

 

Und ich füge (für die Pflichtschulen) hinzu: „... Sie (die E-Learning-Didaktik und deren Tools) ehrlich zu evaluieren und wieder einzuschränken.“ Bitte schicken wir unsere Kinder nicht unkritisch auf Facebook und youtube! Die digitale Kompetenz muss durch das Schlamassel angeregt, neu gedacht werden.

 

SOLIDARITÄT mit unseren Kindern und Jugendlichen und ELTENPROTEST gegen unzumutbare Forderungen von LehrerInnen und Bildungsministerium sind jetzt gefragt. Macht nicht mit bei der Forderung, dass die Qualität der Bearbeitung der Übungsmaterialien (!) in die Note einfließen soll! Zeugnis für das Schuljahr 19/20 für alle positiv und Aufsteigen in die nächst höhere Schulstufe ohne Stress.

 

Ingrid Schierer

(Obfrau des Vereins FreinÖ)
W
ien, im März 2020


Einige Infos zur Situation an den Schulen…

Wenn ihr euch informieren wollt, dann könnt ihr hier nachlesen…

Bleibt gesund! Bis bald einmal "face to face"🙂

Inge und Eva